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22.5.2012 | 0:19

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6. Europamarathon Görlitz

Stephanie Junge (2. Platz) und Andreas Krämer (6. Platz)

Startfoto beim Europamarathon in Görlitz

Siegerehrung mit Stephanie Junge - 2. Platz in der Gesamtwertung (w)

Siegerehrung mit Andreas Krämer - 6. Platz in der Gesamtwertung (m)

Bei heiteren 18 Grad am Sonntag, den 07.06.2009 schnürten Steffi und ich uns die Laufschuhe, um wiedermal die 42,195 km in Görlitz beim Europamarathon zu bewältigen. Dieses Mal hatten wir moralische Unterstützung in Form von Steffis Papa Harald und ihrer Cousine Tine im Gepäck. Für dieses Jahr hatte ich mir fest vorgenommen, die "offene Rechnung" aus dem Jahr 2007 und die damit verbundene Finisherzeit von 3:36h deutlich zu begleichen. Steffi stapelte nicht so hoch und plante einfach nur durchzukommen. Dieser Tag sollte noch so einige Überraschungen für uns bereit halten...

Kurz nach 09:00 Uhr fiel der Startschuss. Die Strecke führte uns traditionell zunächst über die Stadtbrücke auf polnisches Staatsgebiet. Ich war gleich zu Beginn Teil einer kleinen Laufgruppe, gebildet aus der 1. Frau Christine Marx (w45) vom TSV Dresden und Albrecht Enz (m35), ein lebensfroher Anwalt und Görlitzer Stadtratskanditat. Diese Zweckgemeinschaft sollte mehr oder weniger lange bestehen. Obwohl wir alle drei der Meinung waren, dass der 10km-Split in unter 43 Minuten zu flott sei, hielten wir das hohe Tempo bei. Christine hatte bei 17km als erste das Einsehen und verließ unsere Mitte. Wer seinen Beinen den kompletten Marathon in Görlitz schon einmal angetan hat, weiß, dass die schwierigen Stellen erst im 2. Teil anstehen. So verblieben Albrecht und ich als Duo. Wir waren beide optimistisch, die gewählte Geschwindigkeit zu halten. Getrieben von dem ehrgeizigen Ziel im Bereich der 3:10h zu finsishen, stellte ich mich in den Dienst der Sache und übernahm überwiegend die Führungsarbeit auf den offenen windigen Teilstücken. So passierten wir die Halbmarathonmarkierung in 92 Minuten. Ein Streckposten verriet uns, dass wir derzeit auf den Plätzen acht und neun liegen würden. Cool! Hier und da spürte ich langsam die aufkeimenden Ermüdungserscheinungen in den Beinen. Besonders meine Waden machten mir Sorgen. Aber alles bisher war nichts im Vergleich, was noch kommen sollte...

Nun verließen wir die Stadt - lange, windanfällige Streckenabschnitte von Dorf zu Dorf galt es zu überwinden. Wir hielten uns aber weiterhin wacker, sodass wir bei 25km einen Läufer überholen konnten. Wieder ein Plätzchen gut gemacht. Aber noch war das Ziel gute 17km entfernt. Durch unser weiterhin recht flottes Tempo (5km in 22:30 Minuten) konnten wir uns wenige Minuten später auf die Plätze sechs und sieben schieben. Die damit verbundene Freude wurde jedoch durch den letzten bei 30km bevorstehenden Hammerknackpunkt der Strecke weggewischt: eine ca. 1,5 km lange anspruchsvolle Anhöhe mit Kontrollwendepunkt. Mir viel es merklich schwerer mit Albrecht Schritt halten zu können. Wir kämpften uns aber doch recht zügig die Anhöhe hinauf. Dabei kamen uns auch die vor uns liegenden fünf Läufer entgegen. Gar nicht so weit weg... Die aufmunternden Worte von Albrecht, es bergabwärts einfach "laufen zu lassen", musste ich leider ignorieren, da meine Waden von kleinen "Bissen" gepeinigt wurden - Krämpfe kündigten sich an! Das Ziel geriet in Gefahr!

Auf dem Ende des Wendestückes kam uns Steffi entgegen. Sie machte einen guten Eindruck. Wir lächelten uns kurz an und wünschten uns weiterhin viel Erfolg.

Bei 33km musste ich Albrecht schließlich ziehen lassen und ich machte mich allein auf die Mission Zieleinlauf. Es sollten schmerzhafte 9195m werden. Auf einem folgenden ca. 3km langem Streckenabschnitt konnte ich Albrecht beim Überholen eines weiteren Läufers beobachten. Diese Szenerie spielte sich in für mich unerreichbar schätzungsweise 400m Entfernung ab. Ich versuchte meinen Beinschmerzen zu ignorieren und kämpfte mich Meter für Meter vorwärts. Obwohl der 5km-Split noch bei unter 24 Minuten lag, fühlte ich mich richtig langsam und rechnete damit, bald nach hinten durchgereicht zu werden. Aber der Weg zum Ziel wurde kürzer genauso wie der Abstand zu Platz sechs. Obwohl ich eigentlich nicht mehr konnte und wollte, versetzte mich das in die Lage den letzten Anstieg auf den Weinberg bei 38km "hochzuflitzen", mich weiter ranzusaugen und schließlich bei 40km mit einem gequälten Lächeln im Gesicht vorbei zu ziehen. Ich zehrte noch ein paar Meter von diesem letzten Leistungsschub und landete wieder bei den proportional gestiegenen Schmerzen. Nur noch durchhalten waren meine Gedanken und ein prüfender Blick über die Schulter zeigte, dass mein Konkurrent keine Lust auf ein Duell mit Zielspurt hatte. Zum Glück konnte er nicht in mich hineinsehen...

Die letzten Abbiegungen und der Zieleinlauf über die Elisabetstraße waren dann schlussendlich einfach nur qualvoll. Ich erreichte das Ziel in fantastischen 3:10:11h in neuer Bestzeit als Gesamtsechster. Die Entbehrungen waren genauso groß wie im Jahr 2007, nur dass ich dieses Mal um Welten schneller im Ziel war. Ich war (bin) einfach nur stolz.

Nachdem ich zunächst den Verpflegungsstand geplündert hatte, um meine Speicher etwas zu füllen, schleppte ich mich langsam zurück zum Ziel, um Steffi zu erwarten. Auf dem Weg kam mir Christin entgegen. Sie konnte ihren ersten Platz behaupten in einer sehr guten Zeit von 3:15:59h. Tolle Leistung.

Die Minuten verstrichen und zahlreiche 21,1 und 42,2 km-Läufer erreichten das Ziel. Aber bisher war keine Marathonfrau nach Christin dabei. Und dann traute ich meinen Augen kaum: die Uhr schnippte grad auf 3:29h um, als ich eine im Endspurt dahineilende Steffi erblickte. Es stand fest: sie wurde zweite Frau in einer unglaublichen Zeit von 3:29:21h. Und kaum zu glauben, sie war in einer verhältnismäßig guten körperlichen Verfassung.

Mein Laufpartner Albrecht hatte noch einen Platz gut gemacht und finishte als vierter in 3:08:01h. Der Gesamtzweite Maksym Salii von der DHfK Leipzig brauchte 2:55:14h. Beim Leipzigmarathon hatte er mit einer Zeit von 2:33h gesiegt. Ein Grund für diese große Differenz dürfte in dem anspruchsvollen Streckenprofil zu finden sein. Eine zusätzliche Auszeichnung für uns!

Die Siegerehrung empfand ich toll. Zwei Kopfjaeger durften die Bühne betreten und ihre Ehrungen empfangen. Steffi hat da schon mehr Erfahrung als ich.

Es wird noch ein wenig brauchen, bis der Muskelkater komplett verschwunden ist. Kommenden Sonntag ist dann der Saisonauftakt im Triathlon über die olympische Distanz in Moritzburg angesagt. Die Kopfjaeger Steffi, Mareno und ich werden uns dort erstmalig in einheitlicher Teamkleidung präsentieren.

In diesem Sinne mit sportlichem Gruß

Steffi und Andreas

 

Ergebnisübersicht: Steffi      2/12 Frauen   25/100 gesamt   1/4 AK20

                           Andreas  6/88 Männer  3/8 AK20

07.06.2009

Kommentare

2 Kommentare
Josi schrieb am 14.06.2009 16:51 email

wow, spitze !! Herzlichen Glückwunsch! Big Grins

Markus Mörbe schrieb am 12.06.2009 16:03 email homepage

KOPFJAEGER Rulezzzz!!! Pokerface, mein Alter! Cool Was soll ich sagen, ich bekomme Gänsehaut und bin stolz auf Euch!

Bei diesen Leistungen sollte man sich ein Sponsoring einfach nicht engehen lassen!

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