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22.5.2012 | 0:42

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Aufstand der jungen Wilden

2. Platz in der Mannschaftswertung

Napoleoncup 15.09. - 16.09.07

Die Inanspruchnahme der Gleitzeit ermöglichte mir einen vorzeitigen Arbeitsabbruch und das Einsammeln meiner Rennkollegen in Dresden. Franco lud seinen Dresdner Trainingspartner Gregor zum lustigen Wochenende mit uns ein.

Auf der Fahrt nach Jena studierten wir die Startliste und entdeckten Kopfjaeger Martin. Nach kurzer telefonischer Rücksprache mit ihm war die Vorfreude auf den Überraschungsbesuch auch wieder vorbei. Er wusste nichts von einer Anmeldung, zumindest nicht in den letzten 2 Monaten. Wir waren unbeabsichtigt zu dritt für die Teamwertung angemeldet und gründeten spontan eine Renngemeinschaft. Martin wurde durch Gregor ersetzt. 

Nachdem wir die Startunterlagen abgeholt und unsere gemütliche Ferienwohnung bezogen hatten stiegen wir auf unsere Räder um die Strecken vom Samstag zu besichtigen. Die Strecke fürs Zeitfahren und auch des Rundstreckenrennens entpuppten sich als stürmisch anspruchsvoll. Nach Sichtung der Pflasterpassage war Franco einmal mehr erleichtert sein Sonntagsrad, vom selben Ausrüster wie dem des deutschen Dopingexpress aus Bonn, an der Wand hängen gelassen zu haben (zu meinem Unverständnis macht er dies öfters in letzter Zeit). Er Griff auf die bereits in Mecklenburg eingesetzte billig-Rennmaschine vom Typ "2danger" zurück. 

Der Samstag begann früh mit dem Zeitfahren über 7,8 km. Nach der Schlappe in Mecklenburg wollte ich mir beweisen, dass ich nicht komplett unfähig bin und freute mich schon auf die jeweils 30 Sekunden vorher startenden Mitstreiter, deren Aufgabe es sein sollte für mich als Psycho-Magneten zu wirken. 5 Minuten vor mir musste Franco ran, der wegen unserer zeitlich verplanten Warmfahrrunde etwa 20 Sekunden vor seinem Start dort ankam und dem vor lauter Hektik die Kette beim fahren von der Startrampe abfiel. Nachdem er viele Sekunden später seine Technik wieder in Schuss gebracht hatte, folgte ein vorbildliches wegdrücken der folgenden Kilometer das Ewigkeiten die Bestzeit zur Folge hatte (zum Schluss Platz 6).

8.28 Uhr war ich an der Reihe, aber wo waren meine 2 Magneten vor mir?! Trotz mehrmaligem Aufrufen durch die Organisatoren und Daumendrücken meinerseits blieben sie fern und ich musste wieder ganz allein ohne jemanden vor mir zu sehen die Sache bewältigen. 12 Minuten und 15 Sekunden später kam ich als 25. ins Ziel und schob mich damit genau zwischen Frank und Holger von den Picardellics. Gregor mit seiner exzellenten Form unterstrich mit seinem 4. Platz unsere Ambitionen in der Mannschaftswertung. 

Am Nachmittag nach stundenlangem rumliegen startete 14.15 Uhr das Rundstreckenrennen über 8 Runden mit jeweils 3,3 km. Franco und Gregor ambitioniert für vordere Plätze und ich hoffend die Rampe jeweils in der ersten Gruppe zu überstehen fuhren die ersten Runden sehr aufmerksam und beobachteten die Sportfreunde aus dem "Großen Garten". In der ersten Runde schlich sich bereits ein Fahrer ungeachtet vom Feld weg. Das ganze Rennen verlief recht unspektakulär, ab und an wurde Tempo gemacht, auf der Windkante gefahren und im nächsten Moment wieder Schneckentempo angeschlagen. In der 6. Runde fuhren wir nach der Senke wieder in die Rampe, groß gekettet drückte ich in Richtung Zieldurchfahrt bis ich plötzlich durch einen vor mir fast stehenden Fahrer schweren Herzens den Griff zur Bremse nicht vermeiden konnte. Die in der Gruppe verbliebenen Fahrer rauschten an mir vorbei während ich das kleine Blatt suchte. Als ich wieder in tritt kam war bereits ein Loch gerissen und hechelnd versuchte ich vergebens wieder Anschluss zu finden. Mit ein paar anderen abgehängten Fahrern formierten wir eine kleine Gruppe und rollten die letzten 2 Runden zu Ende. Im Ziel als 28. angekommen hatte ich 1:20 Minuten auf die erste Gruppe verloren und somit für ersten Zeitverlust in der Mannschaftswertung gesorgt, da zumindest 3 Dresdner blau-weiße in der Gruppe das Ziel erreichten. Gregor erradelte sich wieder die Holzmedaille und Franco erreichte als 12. das Ziel. 

Ganz nach dem Motto "ein Team ist nur so stark wie sein schwächstes Mitglied" wurde ich am Abend angefleht mich am nächsten Tag über die 1200 Höhenmeter ordentlich drüber zu quälen. Ich holte mir also den bereits geernteten Spott aus Mecklenburg zurück ins Gedächtnis, als ich meinen pannensicheren Schlauchreifen plättete und motivierte mich so die bevorstehenden 100 km bestmöglich zu bewältigen. 

13.30 Uhr wurde durch die bezaubernde Rosenkönigin das Rennen freigegeben und die Renngemeinschaft Kopfjaeger orientierte sich gleich gemeinsam nach vorn. Franco dem öfters mal "kalt" in mitten des Feldes wird fährt auf den folgenden 104 km öfters im Wind. Verstehen muss man diese Handlungen nicht immer und sie sind auch für mich undurchsichtig. Von meinen ausgeprägten taktischen Rennkenntnissen vom Kaliber eines U13 Fahrers habe ich im Laufe des Jahres schon ein paar Weisheiten an ihn abgegeben, doch unser fast Zivildienstleistender vergisst manchmal meinen erhobenen Zeigefinger.

Bei Kilometer 30 wurde erstmals das Tempo richtig kräftig an einem Hügel erhöht und anschließend auf dem Flachstück in tobendem Wind weiter durchgezogen. Es folgten qualvolle Kilometer auf der Windkante. 8 Fahrer darunter Gregor und Picardellics Picco hatten sich entscheidend abgesetzt und so wurde die Verfolgung eingestellt und die Geschwindigkeit verfiel in ein gemütliches Plauschtempo. Franco und ich beteiligten uns auf den folgenden Kilometern daran das es so gemütlich blieb. Keiner hatte großes Interesse das Tempo wieder aufzunehmen und eine Verfolgung zu organisieren. Cirka 25 Kilometer vor dem Ziel setzte sich Franco aus der Plauderrunde ab, gefolgt von Pic Neumi. Ich fuhr an der Spitze des Feldes langsam weiter, erstaunt das mich keiner ablösen wollte. Minuten später muss dem einen oder anderen Fahrer während seines tiefgründigen Gesprächs aufgefallen sein, dass zwei weitere Fahrer der Gemeinschaft fehlten. Es machten sich 3 Fahrer davon und schlossen zu den beiden auf. Ich konzentrierte mich nach dem verschwinden von Franco und Neumi aus unserer Kuschelrunde mit Adleraugen auf die Taten von Rudi und Holger. Mein persönlicher Härtetest wartete 4 Kilometer vorm Ziel, auf 2 Kilometer wurden knapp 170 Höhenmeter bewältigt. Ich wuchtete meinen voluminösen Körper in den Anstieg - biss, keuchte, zerfloss fast - immer Rudi in Griffweite und bald sogar für einen klitzekleinen Moment hinter mir. Wir strampelten mit einem geringen Rückstand auf die Bergflöhe des Hauptfeldes durch das Ziel. Franco und Gregor erreichten souverän als 7. und 14. in den 2 führenden Ausreißergruppen das Etappenziel. Sehr zufrieden mit meiner Leistung werteten wir im Anschluss den Rennverlauf aus und warteten später umgezogen auf die Siegerehrung in der Mannschaftswertung, die nach stundenlangen warten auf eine Auswertung per E-Mail verschoben wurde.

Sport frei von eurem Micha

18.09.07 Ergänzung der offiziellen Ergebnisse

 

Gregor

Franco

Micha

Team

1. Etappe EZF4.6.25.1.
2. Etappe RSR4.12.26.3.
3. Etappe SR7.14.27.3.
Gesamt6.9.24.2.
18.09.2007

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