Debüt im Schlamm geglückt - Kopfjaeger meldet sich beim EBM zurück
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! ;-) Fast zwei Monate lang hatten wir unerträgliche Hitze. Also rechneten wir damit, dass sie uns auch an diesem Wochenende beim Erzgebirgs-Bike-Marathon begleiten wird. Ich glaube jeder hätte Sonnenschein und Hitze lieber gehabt, als sich im Matsch bei strömendem Regen und niedrigen Temperaturen durchs Seiffener Erzgebirge zu kämpfen. Und dieser Kampf sollte äußerst hart ausgefochten werden...
Bereits am Samstag reisten wir zu zweit mit Martin am frühen Abend mit widrigen Witterungsverhältnissen an. Zuvor haben wir uns noch schnell einen Teller Nudeln beim Italiener gegönnt - schließlich sind wir beide recht hektisch aufgebrochen, um unsere Crew noch rechtzeitig beim geplanten Hill-Climb zu unterstützen. Dann kam der Anruf - "Heute kein Wettkampf mehr, das Zelt steht auch schon im Nassen!" Klasse!!! Wie wir uns das so vorgestellt haben! ;-) Ich hatte nicht gerade Lust, beim Debüt-Wettkampf nach meiner langen Auszeit, einen "Wettkrampf" zu erleben. Bis dahin habe ich mir noch eingeredet, dass das Rennen vielleicht sowieso abgesagt wird... ;-) Der innere Schweinehund! "Naja, fahren wir erstmal hin!" Nachdem wir uns zum wilden Zeltplatz durchgeschlagen haben, wurde uns schnell klar, im Zelt schlafen wäre nicht gerade angenehm und erholsam.
Der Entschluss viel schnell, nach einer festen (und trockenen) Unterkunft zu suchen. "Ihar seid do hier wegen däm Fahrradfaahrn, noa? Da wärd Ihar nischt finden in der Gägend!" Sprachs mit fast unverständlichem Dialekt und verschwand... Wir suchten weiter und fanden ein Hotel, welches noch ein Zimmerchen frei hatte. Gebucht und wieder zum gemeinsamen Abendbierchen zurück zum Festzelt. Die Müdigkeit überkam uns alle recht schnell und wir zogen uns in unsere Unterkünfte zurück.
Der nächste Morgen...
Keiner von uns beiden (Martin und mir) hatte Bock aufzustehen - irgendwie dachte jeder, der andere würde wollen und man müsse es einfach nur "nachmachen". Hat ja auch funktioniert! ;-) Auch unser Frühstück war mager und spartanisch. Alles zusammengepackt und in die bereits nassen Schuhe geschlüpft (vom Vortag).
An der Start/Ziel-Zone war bereits der Teufel los. Wollen die tatsächlich alle starten? Oder ist das nur der "Gemeinschaftsdruck"?! Wir haben schnell alles zusammengebaut und den ersten heftigen Regenguss an diesem Morgen im Auto abgewartet. Man, ich habe noch nie so viele Mountainbiker auf einen Haufen gesehen! Eigentlich war auch unsere bzw. meine Wettkampfvorbereitung noch nie so mies gewesen. Strecke? Keine Ahnung! Wie läuft alles ab? Keine Ahnung! Wie, was, wo...? Ok, also immer der Menge nach. Wir haben uns in den Startblöcken eingefunden. Letztlich landete ich doch im Sport-Block gemeinsam mit Henry. ;-) Von Aufregung war bei mir keine Spur - ich tat einfach so, als würde mich das Ganze überhaupt nichts angehen. Mein Anspruch an das Rennen war jedenfalls bis dahin lediglich anzukommen.
Startschuss...
Erste Rangeleien auf der Einführungsrunde erinnerten mich eher an ein Straßenrennen. Erste "Wegrutscher" im Hauptfeld hat es bereits gegeben. Wie die anderen auch, haben wir uns mit Henry gleich versucht durchs Feld vorzuarbeiten, um eventuelle "Züge" nicht zu verpassen. Teilweise fuhren wir in Zeitfahr-manier reichlich 50km/h und schoben uns ca. 80 Plätze nach vorn. Eigentlich hatte mir die "Rollerei" auf der Straße ganz gut gefallen. Kilometer schrubben und relativ sauber war es ja auch. ;-)
Schnell kam der Dämpfer - im wahrsten Sinne des Wortes. Ab ins Erz-GEBIRGE - man war das eine Schinderei! Die Wege waren bereits durch die vornan Fahrenden ordentlich durchgeknetet. Rutschig Fahrrinnen, Wurzeln und Steine machten uns ganz schön zu schaffen. Die erste Geländerunde fuhren wir mit Henry teilweise zusammen. Mich plagte bereits der erste Defekt - die Schaltung sprang und zu allem Überfluss durfte ich drei mal die Kette zwischen Kettenblatt und Rahmen herausfummeln. Die Dusche aus dem Höcker (Camelbak) hat auch nichts genützt und der technische Hilfsdienst war auch ratlos. Ich bin also frustriert und "behindert" weitergefahren. Ich kämpfte mich immer wieder an meine Gruppe heran - das kostete ordentlich Körner. Zu allem Überfluss versagte auch bald meine Hinterradbremse.
Aber mein Ehrgeiz packte mich bald heftig an den Ohren und ich riss einfach durch. Als mich ein Zuschauer am Rand anbrüllte: "Und dich sehe ich im Ziel, das weiß ich ganz genau!!!" gab's für mich keinen Zweifel mehr und ich musste mir ein neues (höheres) Ziel setzen. Fahren ohne Abzusteigen. Und ich hab's geschafft! Bei den steilen kurzen Extrempassagen war das kein leichtes Unterfangen. Die Motivation bekam bei jedem Beifall der Zuschauer neuen Auftrieb, wenn ich die "Schiebenden" ohne Hinterradbremse stehen ließ und mit meiner verbliebenen Fahrtechnik trumpfen konnte. Prahl, prahl!!! ;-) Aber so etwas macht eben Bock auf mehr!!!
Dennoch haben wir alle mit uns selbst zu tun. Vor allem der Schlamm, der von den Rädern aufgeworfen wurde - ich habe noch nie so viel Dreck in den Augen gehabt (Schmerz!). Kilometer für Kilometer konnte ich mich nach vorn weiterarbeiten. Viele sind auf den ersten Kilometern zu schnell angegangen und hatten keine Körner mehr - wen wundert es!?
Am meisten überwältigt war ich vom "Alp de Hües" des Erzgebirges. Ich wusste nicht, dass von uns erwartet wurde, einen 19% steilen Anstieg ca. 300 Meter weit zu fahren. Hier schieden sich die Geister, doch das Publikum brüllte, schrie und trieb uns immer wieder nach oben. Eine Klasse Stimmung war das!
Nach 04:53:34 erreichte ich endlich das Ziel - völlig erschöpft mit einem Schlussspurt, der mir eine bessere Platzierung verschaffte. So muss das sein!!! ;-)
Anschließend ging alles sehr schnell. Zuerst die Ausrüstung, dann der Mann! Finisher-T-Shirt, Klamotten zusammengesucht (Danke an Helfer Henry!
) und in den Waschraum getrabt. Oh man, war das ein Schock! Ich habe mich selbst nicht erkannt. Von den Klamotten fiel der Dreck batzenweise ab. Wir haben alles in Tüten verpackt und schnellstens auf den Heimweg gemacht.
Ein Großes Dankeschön nochmals an Henry, der den Bus vom Erzgebirge auf der Ladefläche befreien musste!
Abschließend kann ich sagen, dass es mein bisher extremster Wettkampf gewesen ist. Jungs, was soll uns jetzt noch aufhalten? Ich bin stolz auf Euch!!! Der EBM wird zukünftig zu den Highlights meines Wettkampfkalenders gehören - geile Veranstaltung.



