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22.5.2012 | 1:13

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Kilometer sin alcohol

Trainingslager Mallorca 2008

Nachdem ich meine Hände im Anschluss an eine 15-minütigen Radrunde in meiner neuen Wahlheimat Zwickau vom Lenker getaut hatte, setzte auch schon die Wehmut nach Mallorca ein...

Am 05.03.08 war es endlich soweit, der Wecker klingelte kurz vor 4 Uhr, eine Zeit zu der ich sonst nie Rad fahre, maximal Treppen steige. Doch diesmal bestiegen wir in Dresden den Flieger um samt Gepäck und gut vertäuten Rädern den Flug auf DIE Insel anzutreten.

Entgegen unserer letzten zwei Trainingslager hatte Michi diesmal für 8 (acht!) Radbegeisterte Unterkunft und schönes Wetter gebucht. Der Statistik halber muss erwähnt werden, dass bei den 8 Mitgereisten 25 Prozent Triathleten enthalten sind. Der "alte Mann" Mareno und Rennradfrischling Andi bereicherten unsere Gruppe und wollten zu ihrem ehrgeizigen Tria-Programm einige, mehrere Kilometer mit uns auf heißem Asphalt "fressen".

Ein turbulenter Flug brachte die gut enthaarte Fracht und ihre Radboliden unversehrt nach Palma, von wo aus wir direkt nach Alcudia transferiert wurden.

Nahrung aus dem Eroski - nein Daheimgebliebene, nicht den Gedanken freien Lauf lassen, dies ist der örtliche Supermarkt - besorgt, Räder aus den Kartons befreit und montiert rollten wir die ersten Kilometer in großer Gruppe über spanische Straßen. Das wars, worauf ich mich seit spätestens Weihnachten gefreut hatte. Surrende Laufräder, Nahrung aus der Trikottasche bzw. Plasteflasche, erste Sonnenstrahlen für streifenlastige Bräune, entspannte Autofahrer (die unentspannten müssen Touris sein) und die monotone Beinbewegung, der einzig wahren Fortbewegung.

Gegen Abend stellten wir fest, es war doch kälter als die dünnen Decken auf den Hotelbetten in der Lage waren Wärme zu geben und so verbrachten die meisten von uns die erste Nacht bei laufender Heizung, die jedoch wegen des starken Windes häufig ausfiel, kalten Füßen und unter "Zuhilfenahme" der Tagesdecke.
Nach dem ersten Frühstück wurden daher erstmal Zusatzdecken geordert und dann machte sich unser Trupp auf die erste Grundlageneinheit in die Beine zu bekommen. Ich hütete Sofa und Fernseher, damit diese nicht weggeweht werden konnten und um meine Erkältung wieder nach Deutschland zu schicken. Nach Aussage von Frank war dieser Tag der schönste des ganzen Urlaubs, was ich aber nicht zum einzigen Mal dieses Trainingslager hören sollte.

Der nächste Tag steht mit 2:50 h im Trainingsplaner, inoffiziell verkauften wir diesen jedoch als Ruhtag, da wir aufgrund von üblem Regen keine 3 h unterwegs waren. So konnten wir am darauf folgenden Tag psychologisch ausgeruht mit Radkollegen aus Sebnitz Richtung Arta rollen und das ansässige Kloster anfahren. Das Tempo der ersten Tage war grundlagenbezogen ruhig und forderte einige mehr, veranlasste andere zum Verschieben des Grundlagenbereiches auf 150 wieder andere zum Klagen, dass sie gar nicht in den Grundlagenpulsbereich kämen. Jedoch merkte man bei kurzen Anstiegen oder Ortsschildern bereits die Lust auf Intervalle. Außerdem versuchten wir Roland an das Fahren in Gruppen heranzuführen.

An diesem Abend war das Abendbuffet wohl erstmals in seinem üppigen Umfang gerechtfertigt und die Abendgestaltung fiel recht verhalten aus. Nein Mareno verzichtete auch an diesem und an keinem noch folgenden Abend auf seinen Spaziergang.

Die folgenden Tage verliefen professionell und konzentriert immer ähnlich: frühstücken, Rad fahren, Abendbrot essen. Habe ich was vergessen? Gut unsere Triathleten profilierten sich noch das ein oder andere Mal in der Schwimmhalle oder liefen den Strand auf und ab und ja es gab eine hübsche Frau im Speisesaal, leider hatte Boilerfrank (die Bedeutung dieses Namens bleibt nebulös) diese für sich beansprucht und wer widerspricht Quatrizepsen von jeweils 4 Kilogramm?

Am siebten Tag war ein echter Ruhetag auf dem Plan und wir haschten die ersten Sonnenstrahlen ohne striefenverursachende Trikots oder Radhosen am Leib.
Es hieß Ruhe tanken für Sa Calobra, San Salvador und den kilometermäßigen Höhepunkt der 11 Tage am dritten Tag dieses Blocks:

Wir fuhren sogar eine Stunde früher los, als wir es mittlerweile gewohnt waren um in Valldemossa in den Küstenklassiker einzusteigen. Eine herrliche Aussicht bot sich für die Kilometer von Valdemossa bis zum Puig de Major. Wir fuhren mehrere Meter über Meeresspiegel mit Blick auf selbiges über eine sich durchs Gebirge windende Strasse und ich fühlte mich wie bei einer Bergetappe der Tour. Gesteigert wurde das Ganze durch lange Abfahrten und der Tatsache, dass die Wolken malerisch über dem Meer hingen und somit den Ohrwurm "Über den Wolken" auf die Lippen trieb.

Bei der Auffahrt zum Puig de Major endete jedoch die Idylle und wir kurbelten keuchend mit Außnahme derer, die ihre Trinkflaschen aus Gewichtsgründen vor dem Berg leeren und nie essen gute 900 Höhenmeter am Stück Richtung Himmel. Anschließend war der Ehrgeiz für die angepeilten 200 Tageskilometer genau wie Franks Speiche gebrochen und es ging für das Peleton den direkten Weg zum Hotel.
Ich traf meinen Cousin durch Zufall auf seiner bis dahin durchgeführten Einzelzeitfahrtour und kurbelte mit ihm noch eine kleine Schleife.

Den folgenden Tag, an dem wir 4 Stunden schön flach ausrollten, hatten sich unsere Beine trotzdem verdient und wir nutzen diesen Tag noch einmal um letzte Sonnenstrahlen in Form roter Haut für zu Hause zu bunkern.

Außerdem mussten einige Körner gespart werden, damit wir den Abschlussabend mit reichlich alkoholfreiem Bier, Chips und Schokolade überstehen würden. Bevor dieser auf Zimmer zwoundzwanzigfünundzwanzig stieg musste ich "Keule" Jan den Sieg im Eis essen abtreten und scheiterte vor dem elfkugeligen Gipfel.

Am letzten Tag hieß es Abreise, Flugticket bei MC liegen lassen, wieder finden und Geburtstage feiern.

Also ich finde nicht vollständig gebräunte Arme und Beine sind viel besser als festgefrorene Hände und Füße, daher fange ich ab jetzt an mich auf Rad fahren in der Sonne 2009 zu freuen.

Jungs es hat großen Spaß mit Euch gemacht - nutzt den Schwung der schönen Tage...

30.03.2008
Von: Martin Herrmann

Kommentare

1 Kommentar
Markus Mörbe schrieb am 31.03.2008 19:56 email homepage

Klingt ja echt geschmeidig! Cool

"...die gut enthaarte Fracht..." hat ja auch schon Leistung in der Heimat gezeigt - Beweis dafür, dass der Radurlaub Körper und Geist belebt! Big Grins

PS: Ich beantrage jetzt schon mal in der Uni die Freistellung!!!

Markus

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