ThüringenUltra - übertriebene Vorbereitung?!

Erstellt von Martin Herrmann | |   Laufsport

Seitdem mich der alte Mann zur Anmeldung am Transalpinrun 2015 überredet hat, stelle ich fest, dass das was früher im Sportunterricht Crosslauf hieß heute Trailrun heißt und dass es auch hierbei Distanzen und zu überwindende Höhenmeter gibt, die völlig utopisch anmuten. Die offizielle Bezeichnung ist, überschreitet man die Marathondistanz, Ultralauf. Wie bereitet man sich auf so etwas vor, fragte ich mich während der längeren Läufe immer wieder. Eine Antwort sollte Vorbereitungswettkämpfe lauten.

„Kommste eben mit nach Thüringen“ war der Satz von Micha während einer Mittagspause, der mich anspitzte über fünf Jahre nach meiner ersten und letzten Ultralauferfahrung Treppenlauf Radebeul wieder eine Distanz jenseits der 42,195 Kilometer laufend in Angriff zu nehmen. Während den Trainingsläufen gingen sie mir immer wieder durch den Kopf – 100 Kilometer, 2.150 Höhenmeter – gut letztere hatte ich schon mal absolviert, aber die Distanz flößte mir doch Respekt ein. Außerdem drückte die Sonne und für den 04.07.2015 waren 38 Grad angesagt. OK, erstmal keine Aktion, mit der ich hausieren gehen sollte, dachte ich bei mir, die Diskussionen über die Grenze zwischen Gesundheit und Übertreibung kannst Du immer noch führen, wenn Du weißt, wovon Du sprichst.

Ganz locker loslaufen und schauen, wie es hinten raus geht war die Devise, als wir kurz vor 1 Uhr bei erträglichen 24 Grad im Auto saßen und dem Start in Fröttstädt entgegen fuhren. Unaufgeregt ging das Starterfeld von ca. 285 LäuferINNEn um 4 Uhr auf Ihren Thüringen Ultra und die ersten 40 Kilometer liefen locker und in gutem 6 Minuten Schnitt. Die Stimmung blieb wie am Start äußerst entspannt und kollegial. Die Sonne hatte noch nicht auf Backofen gestellt und die Verpflegungsposten (VP´s), die mit jedem Kilometer und jedem Grad mehr auf dem Termomether an Wichtigkeit zulegten, waren top bestückt und mit den gefühlt freundlichsten Menschen Deutschlands besetzt. Irgendwo zwischen Kilometer 40 und 60 kamen die Fragen in den Kopf „Warum machst Du das?“, „jetzt noch eine Marathondistanz, schaffst Du das überhaupt“ usw. Bei Kilometer 71 stand „nur noch 29 Kilometer“ auf dem Asphalt, dabei hatte der Schmerz schon von Fuß zu Wade, von Wade zu Oberschenkel und zurück durchgewechselt, wer also hatte hier NUR hingeschrieben?! Locker laufen, die Berge zügig gehen blieb die Devise und schon gabs eine weitere Dusche bei VP Kilometer 73. Hier bildeten wir mit Micha und Peter ein Trio, welches sich herrlich blöde quatschend oder schweigend gegenseitig ins Ziel puschte – Danke Jungs noch einmal an dieser Stelle! Gemeinsam passierten wir den Backofen der letzten 10 bis 14 Kilometer auf offenem Feld, den legendären Kilometer 95 mit Cheerleadern, fieberten jedem VP und jeder Duschmöglichkeit, den die Thüringer uns Verrückten aufgebaut hatten entgegen und „ließen es rollen“, wo es noch ging.

Vor Glück juchzend und hüpfend liefen wir nach 100 Kilometern ins Ziel und sicherten uns unseren ersten Stern auf dem Finishershirt des Thüringen Ultra. YES! Dafür, für viel Spaß, für die beste Organisation neben der Strecke, für äußerst herzliche ThüringerINNEN, die UltraläuferINNen zujubeln, statt mit dem Kopf zu schütteln und für die mit Stolz ertragenen Schmerzen hat es sich wirklich gelohnt.

Persönliche Anmerkung für Wiederholungsgefahr: die Schmerzen waren nicht ohne aber Montag schon sehr erträglich. Vielleicht wird Herr(man)n ja mit dem Alter doch unempfindlicher?