Erdgas Raceday Dresden

Erstellt von Michael Rinke | |   Straßenradsport/Rennradsport

Ich hatte mich dieses Jahr für die kurze Strecke entschieden, da ich auch was vom Gabentisch der Siegerehrung abhaben wollte.  Bereits tagelang vor dem Start zerbrach ich mir den Kopf wie ich denn mit den vielen Sportfreunden des Picardellics Velo Team fertig werden könnte. Ich rechnete mit mindestens 4-5 gefährlichen, bekannten Fahrern und dann gibt es ja noch die Dunkelziffer der Unbekannten die sich dieses Ereignis geben werden. Durch meine gerade frisch ausgebildeten Bergqualitäten wollte ich mir die Konkurrenz auf dem Weg von Geising nach Altenberg, an der Bobbahn und nicht zuletzt Pesterwitz zurecht legen... Soweit der Plan zahlreicher, schlafloser Nächte. Um die Nervosität nicht ins Unermessliche zu steigern beruhigte ich mich immer damit, dass es im Wettkampf ja sowieso immer anders kommt...

In der Startaufstellung stand ich in zweiter Reihe und versuchte schon mal eine Liebesbeziehung zu Rudis Hinterrad aufzubauen. Meine Balzversuche wurden aber schnell abgeschmettert und nach dem Startschuss machte es sich auf und davon. Das Einklicken funktionierte nicht reibungslos und bereits nach wenigen Sekunden hatte ich die ersten Meter Rückstand, zu meinem Glück hatten die angetreten Fahrer des RC Dresden auch einen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Jungs noch frisch und ich ließ mich zur Spitze fahren. Hier angekommen, riss Jantel ein erstes Loch. Als dann 2 andere Fahrer und Luma noch mitsprangen, musste ich nachsetzen und konnte hier nicht auf die Fahrer des RC Dresden hoffen. Diese machten noch nicht mal ansatzweise den Eindruck hier nachführen zu wollen - mein Hirn schnell in der Trikottasche verpackt, setze ich nach. Da waren wir also zu fünft - Jantel und Luma, Enjoy und FDjeux. Jantel ging gerade aus der Führung und Luma übernahm das Tempo. Hier durfte ich mir anschauen das die Fremden Wegbegleiter Jantel gleich wieder an zweite Position verwiesen und Luma nach getaner Arbeit ebenfalls. Jetzt geschah es das ICH, eigentlich sehr sozial kompetent (entsprechende Nachweise liegen schriftlich vor), meine Stimme erhob und mit 100 Dezibel FDjeux und Enjoy zum fahren aufforderte. Wir waren ja gerade erst wenige Sekunden voraus und wollte ich mir doch diese Konstellation nicht versauen lassen. Ich ging also mit gutem Vorbild voran und hielt meine Nase in den Wind. Wir wechseln durch ohne Enjoy und FdJeux. Zwischenzeitlich brachte ein Grimmaer Fahrer noch Neumi mit. Pünktlich in Geising befand ich mich wieder in der Führung und fuhr vorn in den Berg. Bis Altenberg gönnte ich mir keine Pause und auf dem Pflasterstück rauschte Rudi noch an uns vorbei. Ja, ich war wirklich erschrocken, fehlte ja nur noch Dirk zum großen taktischen Unheil. Ich setze also nach, hier bereits zum wiederholten Mal, da Enjoy ausser quatschen nicht viel gruppendynamisches zustande brachte. Ich schob mich noch vor Rudi und fuhr, legte mich in die anschließende, kurze Abfahrt und drückte über den Gegenanstieg. Die anderen waren kurzzeitig abgehangen und ich schaute fragend zu Rudi. Ich versuchte zumindest erstmal mein Glück bei ihm, aber mir war bereits vorher klar, dass es noch nicht die Zeit für uns ist. Ich hätte es ja auch so gemacht. Enjoy war leider auch da und begann zu reden, aber wieder nicht zu fahren. Also fuhr ich erstmal weiter im Wind bis wir uns wieder mit den restlich verbliebenen Picardellics vereinten.

Bis zur Bobbahn blieben die Füße erstmal still. Wir fuhren noch gemeinsam in das Gelände, Rudi von vorn und ich dahinter. Noch 500 Meter, Rudi ließ nach und ich fuhr konstant weiter... Ha, 10 Kilo Gewichtsvorteil... Oben an der Verpflegungsstation kam ich als erster an und wurde mit 0,00005 Liter Wasser beschenkt. Ich kurbelte weiter und riskierte einen ersten Blick - keiner zu sehen, erstmals durchatmen und Gehirn aus dem Trikot auspacken. Aua, nun realisierte ich erste Verschleißerscheinungen und fehlende Motivation für eine Alleinfahrt. Auf 40 Kilometern könnte ich niemals gegen diese gestandenen Männer allein bestehen. Ich nahm erstmal die Beine hoch und schaute wer  mir denn folgen würde. Als erster baute sich Rudi auf und schleppte in seinem Windschatten Enjoy an. Grundsätzlich eine schöne Gruppe wäre da nicht diese bereits mehrfach festgestellte Führungsphobie von Enjoy. Ich durfte wieder den Anfang machen und Rudi wechselte mit mir mehrfach durch. Enjoy hinten dran. Ich hatte den Moment verpasst mein Gehirn wieder wegzustecken. Noch 37 Kilometer und Rudi drückt, drückt und drückt immernoch... die Beine melden erste Zweifel an.  Ich muss Rudi fahren lassen... Es war schön mit dir, kurz aber intensiv.

Jetzt brauchte ich erstmal kurz für mich. Jan kam von hinten, kullerte kurz in meinen Windschatten merkte den Moment meiner Schwäche und hackte weg. Inkonsequent versuchte ich nur kurz nachzusetzen.

Etwas Später haben mich Luma und Neumi väterlich in ihre Runde aufgenommen. Bis Freital harmonieren wir gut und fahren schnell durch die Landschaft. Eingang Pesterwitzer Berg sahen wir Enjoy allein.  Wir einigten uns den Berg entspannt zu fahren und Enjoy noch bisschen allein zu lassen. Wir hielten Enjoy an der langen Leine. Eingangs Dresden bließ der Wind straff ins Gesicht. Wir fuhren nun engagiert und schlossen zu Enjoy auf. Das taktieren beginnt. Es geht um Platz 3. Die letzten Meter, Neumi setzt an... ich nach... wir kämpfen, sprinten, die Beine werden dicker und ich roll "nur" als 4. über den Zielstrich. Ich konnte mich aber noch über den Gewinn der Altersklasse freuen, da dass Podest ausschließlich mit (Fast-)rentnern geschmückt war.

Schnie

Michi, hier muss der Text im Backend rein fürs Bild! ;)