Mallorca 2009

Erstellt von Martin Herrmann | |   Straßenradsport/Rennradsport | Trainingslager

"Rad fahren, schlafen, wenn überhaupt alkoholfreies Bier", so könnte man den Partyschlager umdichten um unseren diesjährigen "Urlaub", den man paradoxerweise einreichen muss um am Trainingslager der KOPFJAEGER teilzunehmen, zu beschreiben.

Da fällt mir gleich der nächste Schlager ein, der umgedichtet gut die Posituation des "alten Mannes" beschreibt , die sich in Folge von Mietradnutzung  einstellte - "Die ersten Kilometer tun weh, erst Recht wenn´s eigene Rad ist passé".Aber weg von den Schlagern, die ja Wirklichkeit immer beschönigt darstellen und Beschönigung unseres Trainingslagers könnte am Ende noch dazu führen, dass irgendjemand der Illusion erliegt wir haben Urlaub zelebriert statt unser jährliches Trainingslager auf Mallorca absolviert - versprochen der letzte Reim, es folgt seriöse Sportberichterstattung.Den ersten Intervall absolvierten Micha, Mareno und ich auf dem mallorcinischen Flughafen. Anfänglicher Grundlagenungeduldspuls steigerte sich zu nervösem GA2-Vorahnungspuls und gipfelte in ärgerlichem Erkenntnisentwicklungsbereich. Unsere Räder hatten das Flugzeug nicht mit uns geteilt, standen vermutlich noch in Dresden und dieser Umstand bescherte uns ein Alternativprogramm aus Reklamation auf spanisch, Lauf, Athletik und Mieträderorganisation statt lockerem Einrollen mit verbal- und auch sonst ganz gut sprintendendem Jan, mittlerweile Gruppenroutinier Ronald, Nahrungsasket Nino und Inselneuling Dorian.An Tag 1 / 2 stiegen wir komplett mit Zweirädern ausgestattet  in den ersten Trainingsblock ein, wenn auch noch teilweise unvollständig und zusammengemietet. Z. B. fuhr Mareno helmfrei und ich normales Look-System mit Look-Keo Schuhplatten. Aber Michas geplante bzw. vom Trainer vorgeschriebene Umfänge erledigen in unserem Fall übererfüllen sich nicht durch alternative Sportarten und so erklommen wir schon erste Höhenmeter beim Kloster und ritten 5 Stunden Rad. Am Abend hatten alle Räder den Weg in unser Hotel gefunden und wir montierten voller Vorfreude die verzögert Angereisten. An Tag 2 / 3 steigerten wir trainingsplantreu die Fahrtzeit um eine halbe Stunde um am Folgetag in den dokumentierenden Begleiter - Trainingstagebuch schon Ruhetag einzutragen. Diesen verbrachten einige regenerierend auf dem Rad, der "alte Mann", welcher zu meiner Mitfreude und sicher zur Überraschung kraulender Konkurrenz diese Disziplin mittlerweile erlernt hat und ich in der Schwimmhalle und jeder in Kaffees, welche nahezu frei von Touristen wahre Friedlichkeit vermitteln und zu Heißgetränken und Oberschenkelwachstum einladen.Block II begannen wir ebenfalls diszipliniert, von Micha gut geplant und im Wind. Erste Intervalle wurden in die gezahnten Kraftüberträger gedrückt, wir feierten das Comeback der "Hans-Runde" zur Küste in den Süden, erfuhren alte Bekannte (Artá, Randa, Valdemossa, Sóller,...) und entdeckten neue fotografierungswürdige Highlights (komm schon Micha, so lästig die fotografierenden Mitfahrer sind, so schön sind die Bilder geworden) z. B. den Leuchtturm in Cala Rajada.Für Tag 3 des II. Blockes bemühe ich doch noch einmal die Schlagerwelt, denn dieser Tag stand unter dem Motto des bekannten Ohrwurms "Ein Pass geht noch, Kilometer in die Beine rein, auch wenn´s dunkel ist rutscht die Erde muss n Umweg sein... Hossa". Nein, weder Sonne, noch der kleine Umweg von über zwei Stunden  haben mir geschadet, aber rückwirkend betrachtet versetzt mich dieser Tag in gute Laune, da er glimpflich endete und niemand ernsthaft zu Schaden kam.Es sollte flach losgehen, die Auffahrt nach Valdemossa zum ersten K3-Intervall des Tages dienen. Anschließend wollten wir den Küstenklassiker bis Sóller rollen, die nächsten Intervalle am Puig de Major absolvieren, den Tunnel durchfahren und den kürzesten Weg zurück nach Alcudia einschlagen. Bis vor den Tunnel ging der Plan auf, dann übermittelten uns zwei sportliche Kollegen die Nachricht, dass die Abfahrt nach Alcudia aufgrund eines Erdrutsches gesperrt, Sa Calobra dafür busfrei sei. Obwohl mich die Aussicht auf eine weitestgehend touristenfreie Abfahrt in die Bucht Sa Calobras und mein zugegeben nicht ganz maßstabsgetreuer Orientierungssinn vorschlagen ließ "das noch mitzunehmen, wenn wir einmal hier sind und dann zu schauen wie wir zurückkommen" analysierte unser kartenkundigerer Guide Micha die Situation realistischer und führte uns den jetzt kürzest möglichen Weg zurück. Dieser führte uns an die nächste Tankstelle zur auch in Deutschland legalen Zuckervorratsspeicherung, über den Puig de Sóller auf die Strecke, die wir am Morgen gekommen waren zielsicher Richtung Abendbrotbuffet. Doch bevor wir uns Trainingssoll übererfüllt an selbiges begeben konnten verbrannten wir durch Schockwirkung noch einige Extra-kcal´s. Aufgrund der Dunkelheit fuhren wir mit sportlicher Geschwindigkeit über der 40 km/h-Marke in Einerreihe der abendlichen Nahrungsaufnahme entgegen, als unser Zug abrupt und unerwartet bremste, sich die Schallwellen eines Aufpralls ihren Weg durchs Schilf bahnten und ein Autospiegel oder zwei durch die Luft flogen. Die Frage "Alles OK?" wurde sieben Mal bejaht, weiter gings und während der letzten Kilometer bis zum gemeinschaftlichen Abendbrot puzzelten wir die Ereignisse folgendermaßen zusammen: Ein Auto überholte ca. fünf "Artgenossen", kam dabei auf unsere Fahrbahn, veranlasste Führungsfahrer Micha zum bremsen und löste jedem gruppenfahrenden  Radfahrer bekannte Kettenreaktion aus. Ein Autospiegel fiel der Härte Ninos Unterarms zum Opfer und vermutlich eine weiterer der Kollision mit einem überholten Fahrzeug. Aber wie bereits vorweggenommen fehlten in diesem Puzzle anschließend keine (Körper)teile und waren bis auf Ninos Unterarm, welcher geprellt war unversehrt.Den schon wieder letzten Ruhetag nutzten wir um Sonne, Chlorwasser, regenerative Kilometer und Kräfte für Block III und angekündigte EB-Sprints aus K3 zu sammeln.Wir stiegen sonnig mit Kap Formentor ein, "rammelten" am zweiten Tag passend zum im Trainingstagebuch angezeigten Blocktag zweimal Lluc hoch (dort wo der Legende nach die gleichnamigen Räder gebaut werden ;) und schlossen mit Puig de Sóller, an dem mich Micha nur wegen Verkalkulierens nicht am Berg verhackte, Orient und noch einmal Lluc ab. Die Sonnenintensität die sich mit jedem Block gesteigert hatte, ...-Rosi, die wie immer Reize setzenden, dabei landschaftlich beeindruckenden Touren ließen auch das Trainingslager 2009 glänzen, auch wenn unser Hotel Boccaccio diesmal ein wenig matt war.Abschließend bleibt zu sagen, dass wenn die Süßigkeitenenthaltsamkeit (bei allem muss ich ja nicht mitmachen) bestehen bleibt, die Gewichtsdiskussionen zu antriebsneutralen Gewichtsreduzierungen führt und weiterhin so diszipliniert gearbeitet (ja liebe Arbeitgeber gearbeitet, nicht geurlaubt) wird, verspricht 2009 eine sehr erfolgreiche Saison zu werden.In diesem Sinne: es hat mich wieder einmal sehr gefreut, bleibt fleißig und (H)asta la Vista!

Gruppenbild Trainingslager Mallorca 2009