Mein erster Marathon - Jahresrückblick eines Süchtigen

Erstellt von Martin | |   Laufsport | Marathon

Mareno fragte mich nach unserem ersten Marathon, den wir am 18.10.09 in Dresden unter unsere Füße genommen hatten: Warum haben wir 45,00 EUR bezahlt um bei kaltem, regnerischem Wetter 42,195 km zu laufen, dazu noch so schnell wie möglich? Meine Antwort lautete: weil wir Süchtige sind!

Marenos Vorsatz sich die Distanz demnächst wieder "zu geben" und dann schneller zu sein als beim Debüt bestätigt angesichts der Schmerzen in Folge solch eines Unterfangens für mich ganz klar Abhängigkeit. 

Und wie es bei Süchten so ist, gaukeln sie uns vor, dass wir Spaß an ihnen haben - im Falle von Wettkämpfen aufgeregt am Start zu stehen, sich dem Kampf mit Distanzen, mit Anderen und mit sich selbst zu stellen. Ein wenig Sucht muss wohl dabei sein, wenn "man" sich nach Kettenriss in Greiz, Sturz mit Totalrad- und Schulterschaden sich wieder aufmacht, Spaß beim EBM und beim Mecklenburger Fahrradtörn hat und nach einem Marathon den Vorsatz fasst die Treppe in Radebeul in 2010 einhundert Mal auf und ab zu steigen. 

All diese Gedanken gingen mir auch durch den Kopf als nach einer Punktlandung der Startschuss zu meinem ersten Marathon in der Dresdner Luft verhallt und ich mit über 1000 Marathonis darunter Lydia, Mareno und Heiko durch Dresden rannte. Die ersten zehn Kilometer flogen vorbei auch die erste Hälfte lief wie am Schnürchen und war in gut anderthalb Stunden Geschichte. Euphorisch ging ich auf die bisher unbekannte Distanz in den Fußstapfen griechischer Mythologie und mit der Frage im Kopf, wann die Beine schwer werden würden. Den ersten psychischen Dämpfer gaben mir die Kilometer am Käthe-Kollwitz-Ufer entlang, welche trotz herrlicher Aussicht auf Elbe und romantisch, nebelverhangenem Elbhang nicht zu enden schienen. Danach war der große Garten nächstes Ziel, den ich wenn auch nicht mehr ganz schmerzfrei flüssig durchquerte um auf die letzten zehn Kilometer abzubiegen. Mittlerweile hatten sich alle Muskeln ab der Hüfte abwärts fest angespannt, wahrscheinlich in zu früher Erwartung eines Zielsprints, so dass ich sagen wir mit Willenskraft , statt mit fluffiger Lauftechnik weitertrabte. Sandra, Wolfgang, Doris und sämtliche Trommler am Straßenrand puschten einige Schmerzen weg, so dass ich Kilometer für Kilometer überwand um schließlich auf der Augustusbrücke gewahr zu werden, Keule Dein erster Marathon ist gleich gelaufen und wird in den Armen von Krissi enden. Dieser Gedanke entspannte mich spürbar und ich "tänzelte" leichtfüßig die letzten Meter Richtung Ziel, Wärmfolie, alkoholfreiem Hefeweizen und wärmendem Körper.

Unterwegs las ich auf einem Plakat "Distanz ist was der Kopf draus macht", nicke zustimmend mit demselben Kopf und freue mich auf einen trainingsreichen Winter, der uns KOPFJAEGER in ein sportlich spannendes 2010 bringen möge! Denn Distanzen sind zum überwinden da und wenn wir genau hinsehen existieren sie in unserem Kopf und beim Überwinden dieser, kommen wir uns selbst stückweise näher.